Franz Kafka Hedwice W. – originál v němčině

BRIEFE AN HEDWIG WEILER … 1907 - 1909

An Hedwig W. [Prag,] 29. August [1907]

Du, Liebe, ich bin müde und vielleicht bin ich ein wenig krank. Jetzt habe ich das Geschäft aufgemacht und versuche dadurch, daß ich im Bureau Dir schreibe, dieses Bureau ein bischen freundlicher zu machen. Und alles, was um mich ist, unterhegt Dir. Der Tisch preßt sich fast verhebt an das Papier, die Feder hegt in der Senkung zwischen Daumen und Zeigefinger, wie ein bereitwilliges Kind, und die Uhr schlägt wie ein Vogel.

Ich aber glaube, ich schreibe Dir aus einem Krieg oder sonst woher aus Ereignissen, die man sich nicht gut vorstellen kann, weil ihre Zusammensetzung zu ungewöhnlich und ihr Tempo das unbeständigste ist. Vcrwickelt in die peinlichsten Arbeiten trage ich so abend 11 Uhr jetzt ist der lange Tag vergangen und er hat, trotzdem er dessen nicht würdig ist, diesen Anfang und dieses Ende. Aber im Grunde hat sich, seitdem man mich unterbrochen hat, nichts geändert, und
trotzdem jetzt links von mir die Sterne des offenen Fensters sind, läßt sich der beabsichtigte Satz vollenden.

- - trage ich so von dem einen festen Entschluß meine Kopfschmerzen zum andern, ebenso festen, aber entgegengesetzten. Und alle diese Entschlüsse beleben sich, bekommen Ausbrüche der Hoffnung und eines zufriedenen Lebens, diese Verwirrung der Folgen ist noch ärger, als die Verwirrung der Entschlüsse. Wie Flintenkugeln fliege ich aus einem-ins andere und die versammelte Aufregung, die in meinem Kampf Soldaten, Zuschauer, Flintenkugeln und Generäle unter einander verteilen, bringt mich allein ins Zittern.

Du aber willst, ich soll Dich gar nicht entbehren, ich soll durch einen großen Spaziergang meiner Gefühle sie ermüden und zufrieden machen, während Du Dich fortwährend aufstörst und im Sommer Dir den Pelz anziehst nur deshalb, weil im Winter Kälte möglich ist.

Übrigens habe ich keine Geselligkeit, keine Zerstreuung; die Abende über bin ich im kleinen Balkon über dem Fluß, ich lese nicht einmal die Arbeiterzeitung und ich bin kein guter Mensch. Vor Jahren habe ich einmal dieses Gedicht geschrieben.

In der abendlichen Sonne
sitzen wir gebeugten Rückens
auf den Bänken in dem Grünen.
Unsere Arme hängen nieder,
unsere Augen blinzeln traurig.

Und die Menschen gehn in Kleidern
schwankend auf dem Kies spazieren
unter diesem großen Himmel,
der von Hügeln in der Ferne
sich zu fernen Hügeln breitet.

Und so habe ich nicht einmal jenes Interesse an den Menschen, welches Du verlangst. Du siehst, ich bin ein lächerlicher Mensch; wenn Du mich ein wenig lieb hast, so ist es Erbarmen, mein Anteil ist die Furcht. Wie wenig nützt die Begegnung im Brief, es ist wie ein Plätschern am Ufer, zweier durch eine See Getrennter. Über die vielen Abhänge aller Buchstaben ist die Feder geglitten und es ist zu Ende, es ist kühl und ich muß in mein leeres Bett.
Dein Franz

An Hedwig W. [Prag, Anfang September 1907]

Trotz allem, Liebe, dieser Brief ist spät gekommen, Du hast Dir gründlich überlegt, was Du geschrieben hast. Ich habe ihn auf keine Weise früher erzwingen können, nicht dadurch, daß ich in der Nacht aufrecht im Bett saß, nicht dadurch, daß ich auf dem Kanapee in Kleidern schlief und während des Tages öfter nachhause kam, als es recht war. Bis ich heute abend davon abließ und Dir schreiben wollte, vorher aber mit einigen Papieren in einem offenen Fache
spielte und Deinen Brief darin fand. Er war schon früh gekommen, aber man hatte ihn, als man abstaubte, aus Vorsicht ins Fach gesteckt.

Ich meinte, einen Brief schreiben sei wie ein Plätschern im Uferwasser, aber ich meinte nicht, daß man das Plätschern hört. Und nun setze Dich und lies ruhig und lasse mich statt meiner Buchstaben in Deine Augen schauen.

Stelle Dir vor, A bekommt von X Brief und Brief und in jedem sucht X die Existenz des A zu widerlegen. Er führt seine Beweise mit guter Steigerung, schwer zugänglichen Beweisen, dunkler Farbe, bis zu einer Höhe, daß sich A fast eingemauert fühlt und selbst und ganz besonders die Lücken in den Beweisen ihn zum Weinen bringen. Alle Absichten des X sind zuerst verdeckt, er sagt nur, er glaube, A sei recht unglücklich, er habe diesen Eindruck, im Einzelnen wisse er nichts; übrigens tröstet er den A. Allerdings wenn es so wäre, so müsse man sich nicht wundern, denn A sei ein unzufriedener Mensch, das wisse auch Y und Z. Man könne ja am Ende einräumen, er habe Grund zur Unzufriedenheit; man sehe ihn an, man sehe seine Verhältnisse an und man wird nicht widersprechen. Wenn man sie aber recht beobachtet, wird man sogar sagen müssen, A ist nicht unzufrieden genug, denn wenn er seine Lage so gründlich untersuchen würde, wie X es tut, könnte er nicht weiterleben. Jetzt tröstet ihn X nicht mehr. Und A sieht, sieht es mit offenen Augen, X ist der beste Mensch und er schreibt mir solche Briefe, was kann er um Gotteswillen anderes wollen, als mich ermorden. Wie gut er in dem letzten Augenblick noch ist, da er, um mich vor einem Schmerz zu verschonen, sich nicht verraten will, aber vergißt, daß das einmal entzündete Licht wahllos beleuchtet.

Was hat dann der Satz aus Niels Lyhne zu bedeuten und der Sand ohne das Glücksschloß. Natürlich hat der Satz recht, aber hätte nicht recht, der von rinnendem Sand spricht? Aber wer den Sand sieht, ist nicht im Schloß; und wohin rinnt der Sand; Was soll ich jetzt; Wie werde ich mich zusammenhalten» Ich bin auch in Triesch, gehe doch mit Dir über den Platz, jemand verliebt sich in mich, ich bekomme noch diesen Brief, ich lese ihn, verstehe ihn kaum, jetzt muß ich Abschied nehmen, halte Deine Hand, laufe weg, und verschwinde gegen die Brücke zu. Oh bitte, es ist genug.

Ich habe deshalb nichts für Dich in Prag gekauft, weil ich vomi. Oktober an wahrscheinlich in Wien sein werde. Verzeih es mir.

Dein Franz K.

An Hedwig IV. [Prag, Anfang September 1907]

Mein liebes Mädchen, es ist wieder spät abend, ehe ich schreiben kann, und es ist kühl, weil wir doch Herbst haben, aber ich bin ganz durchwärmt von Deinem guten Brief. Ja, weiße Kleider und Mitleid kleiden Dich am schönsten, jedoch Pelzwerk verdeckt das ängstliche Mädchen zu sehr und will für sich zu sehr bewundert werden und leiden machen. Und ich will doch Dich und selbst Dein Brief ist nur eine verzierte Tapete, weiß und freundlich, hinter der Du irgendwo im Gras sitzt oder spazieren gehst und die man erst durchstoßen müßte, um Dich zu fangen und zu halten.

Aber gerade jetzt, da alles besser werden soll und der Kuß, den ich auf die Lippen bekommen habe, alles künftigen Guten bester Anfang ist, kommst Du nach Prag, gerade da ich Dich besuchen und bei Dir bleiben möchte, sagst Du unhöflich adieu und gehst weg. Ich hätte doch schon meine Eltern hier gelassen, einige Freunde und anderes, was ich entbehren müßte, jetzt wirst Du noch in dieser verdammten Stadt sein und es scheint mir, es wird mir unmöglich sein,
mich durch die vielen Gassen zum Bahnhof hinaus zu drücken. Und doch ist Wien für mich notwendiger, als Prag für Dich. Ich werde an der Exportakademie ein Jahr lang studieren, ich werde in einer ungemein anstrengenden Arbeit bis an den Hak stecken, aber ich bin sehr zufrieden damit. Da mußt Du mein Zeitunglesen noch ein wenig verschieben, denn ich werde doch auch spazieren gehn und Dir Briefe schreiben müssen, sonst werde ich keine Freude mir erlauben dürfen.

Nur an den Deinigen werde ich immer so gerne teilnehmen, nur mußt Du mir mehr Gelegenheit dazu geben als beim letzten Kränzchen. Denn da gibt es noch viele für mich sehr wichtige Dinge, von denen Du gar nichts schreibst. Um wieviel Uhr Du hinkamst, wann Du weggingst, wie Du angezogen warst, an welcher Wand bist Du gesessen, ob Du viel gelacht hast und getanzt, wem hast Du eine Viertelminute lang in die Augen geschaut, warst Du am Ende müde und hast gut geschlafen? Und wie konntest Du schreiben und einen Brief- das ist das ärgste - unterschlagen, der mir gehört. Nur das hat Dich an diesem schönen Neujahrswetter bedrückt, als Du mit Mutter und Großmutter zum Tempel über das Pflaster, die zwei Stufen und die Steinplatten gingst. Wobei Du nicht bedachtest, daß mehr Mut zum Nichthoffen als zum Hoffen gehört und daß, wenn aus einem Temperament ein solcher Mut möglich ist, schon der sich wendende Wind dem Mut die günstigste Richtung geben kann.

Ich küsse Dich mit allem Guten, was ich an mir kenne.

Dein Franz

An Hedwig W. [Prag, Anfang September 1907]

Liebste,
sie haben mir die Tinte genommen und schlafen schon. Erlaube es dem Bleistift, daß er Dir schreibt, damit alles, was ich habe, irgendwie Teil an Dir hat. Wärst Du nur hier in diesem leeren Zimmer, in dem nur zwei Fliegen oben Lärm machen und ein wenig das Glas, könnte ich Dir ganz nahe sein und meinen Hals an Deinen legen.

So aber bin ich unglücklich bis in Verwirrung hinein. Ein paar kleine Krankheiten, ein wenig Fieber, ein wenig gestörte Erwartung hatten mich für zwei Tage ins Bett gelegt, da habe ich einen niedlichen Fieberbrief an Dich geschrieben, den ich freilich an diesem schönen Sonntag über der Fensterbrüstung zerrissen habe, denn Du Arme, Liebe hast Aufregungen genug. Nicht wahr, Du hast viel geweint in vielen Stunden in der Nacht, während ich bei Sternenlicht in den Gassen herumgelaufen bin, um alles für Dich vorzubereiten (bei Tag mußte ich lernen), da ist es am Ende gleichgültig, ob man eine Gasse weit voneinander wohnt oder eine Provinz. Wie verschieden war alles um uns. Da bin ich sicher Donnerstag früh am Bahnhof gestanden, dann Donnerstag nachmittag (der Zug kommt nicht um '/»3» crst um 3 und hatte ,Uh Verspätung) und Du hast in Triesch gezittert und dann jenen Brief geschrieben, den ich Freitag bekommen habe, worauf ich nichts Besseres zu tun wußte, ab mich ins Bett zu legen. Das ist nicht schlimm, denn ohne mich aufrechtzusetzen sehe ich vom Bett aus das Belvedere, grüne Abhänge.

Nun am Ende ist nichts anderes geschehn, als daß wir ein bischen zwischen Prag und Wien eine Quadrillefigur getanzt haben, bei der man vor lauter Verbeugungen nicht zu einander kommt, wenn man es auch noch so wollte. Aber endlich müssen auch die Rundtänze kommen.

Mir geht es gar nicht gut. Ich weiß nicht, wie es werden wird. Wenn man jetzt früh aufsteht und einen schönen Tag beginnen sieht, dann ist es zu ertragen, aber später.
Ich schließe die Augen und küsse Dich.
Dein Franz

An Hedwig W. [Prag,] 15. Sept. [1907]

Du, Liebe, man lebt merkwürdig in Triesch und darum muß man sich darüber nicht wundern, daß ich heute auf meinem Globus auf dem beiläufigen Platz von Triesch einen roten Punkt gemacht habe. Es war ja heute regnerisch, ich nahm den Globus herunter und schmückte ihn so.

In Triesch ist man verweint, ohne früher geweint zu haben, man geht in ein Kränzchen und will dort nicht gesehen werden, man hat einen mir ganz unbekannten Seidengürtel angezogen, man schreibt einen Brief dort und schickt ihn nicht weg. Wo schreibt man diesen Brief? Mit Bleistift wohl, aber im Schoß oder an der Mauer, an der Kuhsse? Und war die Beleuchtung im Vorzimmer genügend, um darin einen Brief zu schreiben? Neugierig aber bin ich nicht, neugierig wäre es, um ein Beispiel zu geben, wenn ich dringlich wissen wollte, mit wem Fräulein Agathe getanzt hat. Das wäre unpassend und Du würdest recht tun, mir nicht zu antworten.

Aber so geschieht es, daß Du - sei es auf dem Umweg über andere Personen - mit allen Leuten in Triesch in irgend einer unmittelbaren Beziehung stehst, selbst mit dem Diener im Hotel oder irgend einem Feldhüter, auf dessen Feld Du Rüben stiehlst. Du gibst ihnen Befehle oder läßt Dich von ihnen zum Weinen bringen, ich aber habe das zu lesen, so wie man in der Verbannung - eine andere kenne ich noch nicht - Nachrichten über wichtige Veränderungen in der Heimat lesen will und doch kaum lesen kann, weil man unglücklich ist, dort nichts tun zu können, und so glücklich, jetzt etwas zu erfahren. Hier darf ich es sagen, daß ich mit Kranken, die Du pflegst, kein Mitleid habe.

Die Entscheidung über mich, die letzte, kommt morgen, aber dieser Brief ist ungeduldig, sobald ich »Liebe« daraufschreibe, wird er lebendig und will nicht mehr warten. Du verkennst mich hübsch, wenn Du glaubst, daß Streben nach idealem Nutzen meiner Natur angemessen ist, denn es genügt zu sagen: Nachlässigkeit gegen praktischen Nutzen.

Ich weiß es, Du mußt von Wien weg, aber ganz so ich von Prag, wobei wir allerdings gut dieses Jahr in Paris zum Beispiel verbringen könnten. Aber folgendes ist richtig: Wir fangen damit an, das zu tun, was wir brauchen, und werden wir, wenn wir das fortsetzen, nicht notwendig zu einander kommen müssen?

Ich bitte, schreibe mir genau über Deine Prager Zukunft, ich werde vielleicht etwas noch vorbereiten können, ich tue es gern.
Dein Franz

An Hedwig W. [Prag,] 19. September [1907]

Liebe,
wie Du mich verkennst und ich weiß nicht, ob nicht eine leichte Abneigung gegen jemanden dazu nötig ist, um ihn so verkennen zu wollen. Ich werde Dich nicht überzeugen können, aber ich bin gar nicht ironisch gewesen; alle Dinge, die ich wissen wollte und die Du mir geschrieben hast, sind für mich wichtig gewesen und sie sind es. Und gerade die Sätze, die Du ironisch nennst, wollten nichts als das Tempo nachahmen, mit dem ich an ein paar schönen Tagen Deine Hände streicheln durfte, ob darin von Feldhütern oder von Paris die Rede war, das ist fast nebensächlich gewesen.

Wieder früh unterbrochen worden und jetzt nach Mitternacht recht müde fortgesetzt: Ja, es hat sich entschieden, aber erst heute. Andere Menschen entschließen sich nur selten und genießen dann den Entschluß in den langen Zwischenräumen, ich aber entschließe mich unaufhörlich, so oft wie ein Boxer, nur boxe ich dann nicht, das ist wahr. Übrigens sieht das nur so aus und meine Angelegenheiten werden hoffentlich bald auch das ihnen entsprechende Aussehen bekommen. Ich bleibe in Prag und werde sehr wahrscheinlich in einigen Wochen einen Posten bei einer Versicherungsgesellschaft? bekommen. Diese Wochen werde ich unaufhörlich Versicherungswesen studieren
müssen, doch ist es sehr interessant. Alles andere werde ich Dir sagen können, bis Du kommst, nur muß ich natürlich vorsichtig sein und die jetzt mit mir beschäftigte Vorsehung nicht nervös machen, darum darfst Du niemandem, auch nicht dem Onkel, davon sagen.

Wann kommst Du also! Über Wohnung und Kost schreibst Du undeutlich. Meine Bereitwilligkeit Dir zu helfen wird - Du weißt es und doch sagst Dus nicht - dadurch daß das Papier einen Rand hat, nicht kleiner, aber, ich habe es Dir gesagt, meine Bekanntschaft ist leider sehr klein, und wo ich angefragt habe, war es umsonst, denn man hat Lehrerinnen aus früheren Jahren. Jedenfalls werde ich Sonntag im »Tagblatt«8 und in der »Bohemia«8 diese Annonce einstellen lassen:

»Ein junges Mädchen, welches die Matura abgelegt hat und früher an der Wiener, jetzt an der Prager Universität Französisch, Englisch, Philosophie und Pädagogik studiert, sucht Stunden als Lehrerin zu Kindern, die sie nach ihren isherigen Unterrichtserfolgen sehr gut behandeln zu können glaubt, oder als Vorleserin oder als Gesellschafterin.«

Zuschriften hole ich dann aus der Administration. Ich würde als Adresse Triesch postlagernd angeben, aber vielleicht bist Du nächste Woche schon in Prag.

Ich werde natürlich noch weitersuchen, denn viel darf man sich darauf nicht verlassen, es müßte denn der Prager Zufall Dir so Glück wünschen, wie ich.
Dein Franz

An Hedwig W. [Prag,] 24. Sept. [1907]

Dein Brief kam merkwürdigerweise am Abend, Liebe, deshalb nur das in Eile, damit Du es rechtzeitig bekommst. Der Einfall, der Onkel soll an Mama schreiben, ist sehr gut und man darf nur mir Vorwürfe machen, daß ich nicht selbst darauf gekommen bin.

Wie ist denn das, Du willst mir wieder entlaufen oder drohst es doch» Genügt es, daß ich in Prag bleibe, um Deine Pläne zu entmutigen?

Ich bitte komm, gerade ehe Dein Brief kam, dachte ich daran, daß es schön wäre, wenn wir immer am Sonntag Vormittag jenes französische Buch zusammen lesen würden, das ich jetzt manchmal lese (ich habe jetzt sehr wenig Zeit) und das in einem frierenden und doch zerfaserten Französisch geschrieben ist, wie ich es liebe, also komm, ich bitte.

Deine Meinung, daß Du alles bezahlen sollst, was ich für Dich zu meinem Vergnügen unternehme, hat mich gefreut. Doch ist die Ausgabe flir die Annoncen, die ich beilege, (damit Du siehst, wie ungeschickt und schlecht sie sich ausnehmen) zu unbedeutend, aber die Rechnung für den Champagner, den ich gestern nacht auf Dein Wohl getrunken habe - hast Du nichts gemerkt? - werde ich Dir schicken lassen.

Die Kleinigkeiten, die Dich jetzt ärgern und müde machen, sind nur beim erstenmal so schlimm, beim zweitenmal erwartet man sie schon und deshalb sind sie dann schon interessant. Zum Mut gehört nur eine halbe Wendung. Komm.
Dein Franz

An Hedwig W. [Prag,] 24. Sept. [1907]

Immerhin ein matter Erfolg, wie Du siehst, Liebe.
Ich habe die Briefe aufgemacht, weil ich dachte, ich könnte Dir mit Erkundigungen helfen. Nun das eine sieht ja vertrauenerweckend jüdisch aus und ich werde nachfragen, was fiir Leute es sind, jedenfalls schreibe ich ihnen.

Das andere ist ein bischen romanhaft. Du sollst - ich übersetze es - unter der bezeichneten Chiffre schreiben, unter welchen Bedingungen Du deutsche Conversation mit einem 21jährigen Fräulein treiben würdest, dreimal in der Woche ev. auf Spaziergängen. Antworten könntest Du doch, um des Spaßes willen.

Beides müßte aber schnell sein; ich glaube nicht, daß noch irgendeine Zuschrift kommt, jedenfalls werden wir es in den nächsten Tagen wiederholen.

Ich grüße Dich bestens; laß Mama schreiben, vergiß nicht und komm.
Dein Franz

An Hedwig W. [Prag, Anfang Oktober 1907]

Nun soll ich Dir wieder mit braunen Strichen schreiben, weil die schon zum Schlafen Eingesperrten die Tinte haben und der in Dich verliebte Bleistift sich gleich finden läßt. Liebe, Liebe, wie schön ist es, daß das Sommerwetter mitten im Herbste kommt, und wie gut ist es, denn wie schwer wäre es, den Wechsel der Jahreszeiten zu ertragen, wenn man ihnen nicht innerlich das Gleichgewicht halten würde. Liebe, Liebe, mein Nachhauseweg aus dem Bureau ist erzählenswert, besonders, da er das einzige von mir Erzählenswerte ist. Ich komme im Sprunge um 6'/+ Uhr aus dem großen Portal, bereue die verschwendete Viertelstunde, wende mich nach rechts und gehe den Wenzelsplatz hinunter, treffe dann einen Bekannten, der mich begleitet und mir einiges Interessante erzählt, komme nachhause, mache meine Zimmertüre auf, Dein Brief ist da, ich gehe in Deinen Brief hinein, wie einer von den Feldwegen müde ist und jetzt in Wälder kommt. Ich verirre mich zwar, aber ich bin deshalb nicht ängstlich. Möchte jeder Tag so enden.

8. 10.

Liebes Kind, wieder ein Abend nach ein paar so schnell vergangenen Abenden. Mag die Aufregung des Briefeschreibens deutlich mit einem Klecks anfangen.

Mein Leben ist jetzt ganz ungeordnet. Ich habe allerdings einen Posten mit winzigen 80 K Gehalt und unermeßlichen 8-9 Arbeitsstunden, aber die Stunden außerhalb des Bureaus fresse ich wie ein wildes Tier. Da ich bisher gar nicht gewohnt war, mein Tagesleben auf 6 Stunden einzuschränken, und ich außerdem noch Italienisch lerne und die Abende dieser so schönen Tage im Freien verbringen will, komme ich aus dem Gedränge der freien Stunden wenig erholt heraus.

Nun im Bureau. Ich bin bei der Assicurazioni-Generali, und habe immerhin Hoffnung, selbst auf den Sesseln sehr entfernter Länder einmal zu sitzen, aus den Bureaufenstern Zuckerrohrfelder oder mohammedanische Friedhöfe zu sehn, und das Versicherungswesen selbst interessiert mich sehr, aber meine vorläufige Arbeit ist traurig. Und doch ist es manchmal hübsch, die Feder dort hinzulegen und sich vielleicht vorzustellen, daß man Deine Hände aufeinanderlegt, sie mit einer Hand umfaßt, und jetzt zu wissen, man würde sie nicht loslassen, selbst wenn einem die Hand im Gelenk ausgeschraubt würde.

Adieu Dein Franz

An Hedwig W. [Prag, wahrscheinlich November 1907]

Liebes Mädchen, verzeihe mir, wenn ich nicht gleich geantwortet habe, aber ich verstehe es noch nicht, die paar Stunden gut auszunützen, denn gleich ist Mitternacht wie jetzt. Glaube nicht, daß das schöne Wetter Dich bei mir verdrängt, nur die Feder verdrängt es, Liebe. Aber Deine Fragen werde ich alle beantworten. Ob ich bald und weit versetzt werde, weiß ich nicht, vor einem Jahr wohl kaum, am hübschesten wäre es, wenn ich von der Gesellschaft wegversetzt würde, das ist nicht ganz unmöglich.

Über die Arbeit klage ich nicht so, wie über die Faulheit der sumpfigen Zeit. Die Bureauzeit nämlich läßt sich nicht zerteilen, noch in der letzten halben Stunde spürt man denDruck der 8 Stunden wie in der ersten. Es ist oft wie bei einer Eisenbahnfahrt durch Nacht und Tag, wenn man schließlich, ganz furchtsam geworden, weder an die Arbeit der Maschine des Zugführers, noch an das hügelige oder flache Land mehr denkt, sondern alle Wirkung nur der Uhr zuschreibt, die man immer vor sich in der Handfläche hält. Ich lerne Italienisch, denn zuerst komme ich wohl nach Triest. In den ersten Tagen muß ich für den, der dafür empfindlich ist, setr rührend ausgesehn haben. Wie es auch wirklich gewesen ist, ich kam mir deklassiert vor; Leute, die nicht bis zum 25ten Jahr wenigstens zeitweise gefaulenzt haben, sind sehr zu bedauern, denn davon bin ich überzeugt, das verdiente Geld nimmt man nicht ins Grab mit, aber die verfaulenzte Zeit ja.

Ich bin um 8 Uhr im Bureau, um '/»7 geh ich weg. Voraussetzungslos lustige Menschen; Alle Menschen, die einen ähnlichen Beruf haben, sind so. Das Sprungbrett ihrer Lustigkeit ist die letzte Arbeitsminute; leider verkehre ich gerade nicht mit solchen Menschen.

»Erotes« werden bald unter dem Titel »Weg eines Verliebten« erscheinen, aber ohne mein Titelblatt, das sich als nicht reproduzierbar erwiesen hat.

Was Du von dem jungen Schriftsteller schreibst, ist interessant, nur übertreibst Du die Ähnlichkeiten. Ich versuche bloß mich beiläufig und vorläufig gut anzuziehn, aber vielen Menschen in vielen Ländern aller Erdteile ist es schon gelungen; eben diese pflegen ihre Nägel, manche schminken sie. Spricht er wunderschön französisch, so ist das schon ein bedeutender Unterschied zwischen uns, und daß er mit Dir verkehren kann, ist ein verdammter Unterschied.
Das Gedicht habe ich gelesen, und da Du mir das Recht gibst es zu beurteilen, so kann ich sagen, daß viel Stolz darin ist, der aber, wie ich glaube, leider sehr allein spazieren geht. Im ganzen scheint es mir eine kindliche und deshalb sympathische Bewunderung bewunderungswürdiger Zeitgenossen zu sein. Voili. Aber aus übertriebener Empfindlichkeit für das äußere Gleichgewicht einer Wage, die Du in Deinen heben Händen hältst, schicke ich eine schlechte,
vielleicht ein Jahr alte Kleinigkeit10 mit, die er unter denselben Umständen (Du nennst keinen Namen und auch sonst nichts, nicht wahri) beurteilen soll. Ich werde große Freude haben, wenn er mich ordentlich auslacht. Du schickst mir dann das Blatt wieder zurück, wie ich es auch tue.

Jetzt habe ich alles beantwortet und mehr, jetzt kämen meine Rechte. Was Du mir über Dich schreibst, ist so unklar, wie es Dir auch sein muß.

Bin ich schuld daran, daß man Dich quält, oder quälst Du Dich und man hilft Dir bloß nicht? »Ein mir sehr sympathischer Mann« »beide hätten Conzessionen machen müssen.« In dieser großen mir ganz undeutlichen Stadt Wien bist nur Du mir sichtbar und ich kann Dir jetzt gar nicht helfen, wie es scheint. Darf ich da den Brief nicht schließen, während es traurig eins schlägt;
Dein Franz

An Hedwig W. 12 Uhr [Prag, November 1907]

Also müde, aber gehorsam und dankbar: ich danke Dir. Nicht wahr, es ist alles gut. So sind die Übergänge vom Herbst zum Winter oft. Und da jetzt Winter ist, so sitzen wir - es ist doch so - in einem Zimmer, nur daß die Wände, an denen jeder von uns sitzt, ein bischen weit von einander sind, aber das ist bloß merkwürdig und es müßte nicht sein.

Was für Geschichten, wie viele Menschen Du kennst und die Spaziergänge und die Pläne. Ich weiß keine Geschichten, sehe keine Menschen, mache täglich Spaziergänge in Eile durch vier Gassen, deren Ecken ich schon abgerundet habe, und über einen Platz, zu Plänen bin ich zu müde. Vielleicht werde ich von den erfrorenen Fingerspitzen aufwärts - ich trage keine Handschuhe - allmählich zu Holz, dann wirst Du einen netten Briefschreiber in Prag haben und an meiner Hand ein schönes Besitztum. Und deshalb, da ich so viehisch lebe, muß ich Dich zweifach deshalb um Verzeihung bitten, daß ich Dich nicht in Ruhe lasse.

22 Um Gotteswillen, warum habe ich den Brief nicht geschickt!! Du wirst böse sein, oder bloß unruhig. Verzeih mir. Sei auch gegen meine Faulheit oder wie Du es nennen willst, ein bischen freundlich. Aber es ist nicht nur Faulheit, auch Furcht, allgemeine Furcht vor dem Schreiben, dieser entsetzlichen Beschäftigung, die jetzt entbehren zu müssen mein ganzes Unglück ist. Vor allem aber: nur zitternde Dinge soll man hin und wieder durch irgendeine Veranstaltung zur Ruhe bringen, dahin gehören doch unsere Beziehungen nicht, möchte ich glauben.

Und trotz allem, ich hätte Dir längst geschrieben, statt den angefangenen Brief klein zusammengelegt bei mir zu tragen, aber ich bin jetzt ganz plötzlich unter eine Menge Leute gekommen. Offiziere, Berliner, Franzosen, Maler, Coupletsänger, und die haben mir die paar Abendstunden nun ganz lustig weggenommen, freilich nicht nur die Abendstunden, gestern in der Nacht z. B. habe ich dem Kapellmeister eines Orchesters, für das ich keinen Kreuzer Trinkgeld hatte, statt dessen ein Buch geborgt. Und so ähnlich. Man vergißt dabei, daß die Zeit vergeht und daß man die Tage verliert, darum ist es zu billigen. Meine Grüße, Liebe, und mein Dank
Dein Franz

An Hedwig W. [Prag, vermutlich Anfang 1908]

Liebe, einmal im Bureau bei Schreibmaschinenmusik, in Eile und mit graziösen Fehlern. Ich hätte Dir ja längst schon für Deinen Brief danken sollen und jetzt ist es wieder schon so spät. Aber ich glaube, Du hast mir schon für immer in solchen Dingen verziehen, denn wenn es mir gut geht, dann schreibe ich schon - es ist schon lange her und ich hatte es damals nicht nötig - sonst langsam. Und wie gut Du mich auch in Deinem Brief behandelt hast, so hast Du doch
versäumt, mir ein Kompliment zu machen, wegen der Energie, mit der ich meinen Kopf so gerne in irgend einen Straßenboden graben und nicht wieder herausziehen wollte. Ich habe bisher, wenn auch in Pausen, doch rechtmäßig gelebt, denn es ist in gewöhnlicher Zeit nicht zu schwer, sich eine Sänfte zu konstruieren, die man von guten Geistern über die Straße getragen werden fühlt. Bricht dann, (so wollte ich weiterschreiben, aber es war schon 8'/« und ich ging nachhause) bricht dann aber ein Hölzchen, gar bei schlechterem Wetter, so steht man auf der Landstraße, kann nichts mehr zusammenbringen undist noch weit von der gespenstischen Stadt, in die man wollte. Erlaube mir, solche Geschichten über mir zusammen zuziehen, wie ein Kranker Tücher und Decken über sich wirft. Das war schon längst geschrieben, da kam heute Dein Brief, Liebe. Mag jetzt die dritte Schrift anfangen, eine von dreien wird doch
vielleicht das aufgeregte überreizte Kind beruhigen können. Nicht wahr, jetzt setzen wir uns unter diese Dreischriftfahne blau braun schwarz und sagen zusammen dieses auf und geben acht, daß jedes Wort sich deckt: »Das Leben ist ekelhaft«. Gut, es ist ekelhaft, aber es ist nicht mehr so arg, wenn man es zu zweien sagt, denn das Gefühl, das einen zersprengt, stößt an den andern, wird durch ihn gehindert, sich auszubreiten, und sicher sagt man: »Wie hübsch sie
>ekelhaftes Leben

Weißt Du, ich hatte eine abscheuliche Woche, im Bureau überaus viel zu tun, vielleicht wird das jetzt immer so sein, ja man muß sich sein Grab verdienen, und auch anderes kam noch dazu, was ich Dir später einmal sagen werde, kurz man hat mich herumgejagt wie ein wildes Tier, und da ich das gar nicht bin, wie müde mußte ich sein. Ich paßte vorige Woche wirklich in diese Gasse, in der ich wohne und die ich nenne »Anlaufstraße für Selbstmörder«, denn diese
Straße fuhrt breit zum Fluß, da wird eine Brücke gebaut, und das Belvedere auf dem andern Ufer, das sind Hügel und Gärten, wird untertunelliert werden,damit man durch dieStraße überdieBrücke, unter dem Belvedere spazieren kann. Vorläufig aber steht nur das Gerüst der Brücke, die Straße führt nur zum Fluß. Aber das ist alles nur Spaß, denn es wird immer schöner bleiben, über die Brücke auf das Belvedere zu gehn, als durch den Fluß in den Himmel.
Deine Lage verstehe ich; es ist ja närrisch, was Du zu lernen hast und Du darfst nervös werden, ohne daß man Dir jemals nur mit einem Wort einen Vorwurf machen dürfte. Aber schau, immerhin Du kommst doch sichtbar vorwärts, Du hast ein Ziel, das Dir nicht entlaufen kann wie ein Mädchen und das Dich doch jedenfalls, auch wenn Du Dich wehren wirst, glücklich machen wird; ich aber werde ein ewiger Brummkreisel bleiben und ein paar Leuten, die mir vielleicht nahe kommen werden, das Trommelfell ein Weilchen quälen, sonst nichts.

Es hat mich sehr gefreut, daß in Deinem Brief ein offenbarer Fehler vorkommt, den Du selbst gleich zugeben mußt, denn diese Woche ist nur ein Feiertag bei uns, der andere muß ein niederösterreichisches Glück sein; in diesen Sachen darfst Du mit mir nicht streiten, denn ich kenne alle Feiertage schon auswendig bis Anfang Mai. In allem andern darfst Du mit mir streiten oder noch ärger, Du kannst mir sogar den Streit verweigern, aber ich bitte Dich noch hier am Rande, tue es nicht.
Dein Franz

An Hedwig IV. [Prag,] 7.1. 1909

Geehrtes Fräulein,
Hier sind die Briefe, ich lege auch die heutige Karte bei und habe keine Zeile mehr von Ihnen.

Deshalb darf ich Ihnen sagen, daß Sie mir eine Freude machen würden, durch die Erlaubnis, mit Ihnen zu reden. Es ist Ihr Recht, das für eine Lüge zu halten, doch wäre diese Lüge gewissermaßen zu groß, als daß Sie sie mir zutrauen dürften, ohne hiebei eine Art Freundlichkeit zu zeigen. Dazu kommt noch, daß gerade die Meinung, es handle sich um eine Lüge, Sie notwendig noch aufmuntern müßte, mit mir zu reden, ohne daß ich damit sagen will, meine mögliche Freude über d'e Erlaubnis könne Sie zu deren Verweigerung bewegen.

Im Übrigen kann Sie (ich hätte Freude, vergessen Sie das nicht) keine Überlegung zwingen. Sie können ja Ekel oder Langweile befürchten, vielleicht fahren Sie schon morgen weg, es ist auch möglich, daß Sie diesen Brief gar nicht gelesen haben.

Sie sind für morgen mittag bei uns eingeladen, ich bin kein Hindernis für die Annahme der Einladung, ich komme immer erst um */« 3 Uhr nach Hause; wenn ich höre, daß Sie kommen sollen, bleibe ich bis 7»4 weg; es ist übrigens auch schon vorgekommen und man wird sich nicht wundem.
F. Kafka

An Hedwig W. [Prag, Mitte April 1909]

Liebes Fräulein,
Sie sind, als Sie jenen Brief geschrieben haben, in einem schlechten, aber keinem dauerhaften Zustand gewesen. Sie sind allein, schreiben Sie, vielleicht sind Sie es nicht ganz ohne Absicht - solche Absichten haben natürlich keinen Anfang und kein Ende - und Alleinsein ist arg von außen gesehn, wenn man so manchmal vor sich sitzt, aber es hat gewissermaßen auf der Innenwand seinen Trost. Lernenmüssen allerdings sollte es nicht ausfüllen, das ist schrecklich, wenn
man gar sonst noch zittert, das weiß ich. Man glaubt dann, ich kann mich gut erinnern, man stolpere unaufhörlich durch unvollendete Selbstmorde, jeden Augenblick ist man fertig und muß gleich wieder anfangen und hat in diesem Lernen den Mittelpunkt der traurigen Welt. Für mich ist es aber im Winter immer schlimmer gewesen. Wenn man so im Winter schon nach dem Essen die Lampe anzünden mußte, die Vorhänge heruntergab, bedingungslos sich zum Tisch setzte, von Unglück schwarz durch und durch, doch aufstand, schreien mußte und als Signal zum Wegfliegen stehend noch die Arme hob. Mein Gott. Damit einem ja nichts entging, kam dann noch ein gutgelaunter Bekannter, vom Eisplatz meinetwegen, erzählte ein bischen, und als er einen ließ, machte sich die Türe zehnmal zu. Im Frühjahr und Sommer ist es doch anders, Fenster und Türen sind offen und die gleiche Sonne und Luft ist in dem Zimmer, in dem man lernt und in dem Garten, wo andere Tennis spielen, man fliegt nicht mehr in seinem Zimmer mit den vier Wänden in der Hölle herum, sondern beschäftigt sich als lebendiger Mensch zwischen zwei Wänden. Das ist ein großer Unterschied, was aber noch an Verfluchtem bleibt, das muß man doch durchreißen können. Und Sie werden es sicher können, wenn ich es konnte, ich, der förmlich alles nur im Fallen machen kann. - Wenn Sie etwas von mir wissen wollen: das vom Fräulein Kral ist ein Märchen, ob schön, weiß ich nicht, meine Mutter wird nächste Woche operiert, mit meinem Vater geht es immer mehr herunter, mein Großvater ist heute schwer ohnmächtig geworden, auch ich bin nicht gesund.
Ihr Franz K.